Ratgeber Arbeitsschutz
Sicherheitsschuhe, Berufsschuhe und Arbeitsschuhe unterscheiden sich nicht nur im Namen. Entscheidend sind Norm, Schutzklasse und Einsatzbereich.
Ob auf der Baustelle, im Lager, in der Werkstatt, in der Industrie oder im Servicebereich: Das richtige Schuhwerk ist ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung. Es schützt vor Verletzungen, sorgt für sicheren Stand und trägt dazu bei, den Arbeitsalltag komfortabler und sicherer zu gestalten.
Trotzdem werden die Begriffe Sicherheitsschuh, Berufsschuh und Arbeitsschuh häufig durcheinandergebracht. In diesem Beitrag erklären wir die wichtigsten Unterschiede, gehen auf die neuen Normen ein und zeigen, worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.
Kurz erklärt: die wichtigsten Unterschiede
```Sicherheitsschuh
Genormter Schutzschuh nach DIN EN ISO 20345 mit geprüfter Zehenschutzkappe. Geeignet für Bereiche mit mechanischen Risiken, etwa Bau, Industrie, Lager oder Werkstatt.
Berufsschuh
Genormter Schuh nach DIN EN ISO 20347, jedoch ohne vorgeschriebene Zehenschutzkappe. Häufig eingesetzt in Pflege, Gastronomie, Service, Medizin oder Reinigung.
Arbeitsschuh
Allgemeiner Begriff für Schuhe, die bei der Arbeit getragen werden. Ein Arbeitsschuh ist nicht automatisch ein Sicherheitsschuh. Entscheidend ist die tatsächliche Normkennzeichnung.
Warum passende Schuhe am Arbeitsplatz so wichtig sind
Füße sind im Arbeitsalltag vielen Belastungen ausgesetzt. Je nach Tätigkeit können herabfallende Gegenstände, spitze Teile, rutschige Böden, Feuchtigkeit, Hitze, Kälte, Öl, Kraftstoffe oder lange Stehzeiten zum Risiko werden. Normgerechte Arbeits- und Sicherheitsschuhe sollen diese Gefahren reduzieren und gleichzeitig Komfort, Stabilität und Trittsicherheit verbessern.
Wer passende Sicherheitsschuhe, Berufsschuhe oder Arbeitsschuhe auswählt, sollte deshalb nicht nur auf Größe und Optik achten, sondern vor allem auf Normkennzeichnung, Schutzklasse und die Anforderungen des Arbeitsplatzes.
Was ist ein Sicherheitsschuh?
Ein Sicherheitsschuh ist ein nach DIN EN ISO 20345 genormter Schutzschuh. Sein wichtigstes Merkmal ist die Zehenschutzkappe. Diese schützt die Zehen vor hohen Belastungen und wird mit einer Prüfenergie von 200 Joule sowie einer Druckkraft von 15 Kilonewton geprüft.
Umgangssprachlich ist häufig von Stahlkappenschuhen die Rede. Moderne Sicherheitsschuhe müssen jedoch nicht zwingend eine Stahlkappe besitzen. Je nach Modell kommen auch Aluminium, Kunststoff oder Composite-Materialien zum Einsatz. Diese können leichter sein und bieten dennoch den geforderten Schutz.
Typische Einsatzbereiche für Sicherheitsschuhe sind:
- Bau und Handwerk
- Lager und Logistik
- Industrie und Produktion
- Metallverarbeitung und Maschinenbau
- Garten- und Landschaftsbau
- Werkstätten und technische Betriebe
Was ist ein Berufsschuh?
Berufsschuhe sind nach DIN EN ISO 20347 genormt und werden mit dem Buchstaben „O“ gekennzeichnet, zum Beispiel OB, O1, O2 oder O3. Der wichtigste Unterschied zum Sicherheitsschuh: Berufsschuhe müssen keine Zehenschutzkappe besitzen.
Berufsschuhe sind daher nicht für Arbeitsbereiche gedacht, in denen schwere Gegenstände auf die Zehen fallen können. Sie können aber trotzdem wichtige Eigenschaften besitzen, zum Beispiel eine rutschhemmende Sohle, antistatische Ausstattung, Energieaufnahme im Fersenbereich oder wasserabweisende Materialien.
Häufig werden Berufsschuhe in Bereichen eingesetzt, in denen Komfort, Hygiene und Trittsicherheit wichtig sind, aber kein geprüfter Zehenschutz erforderlich ist. Dazu zählen zum Beispiel Gastronomie, Pflege, Medizin, Labor, Reinigung, Service oder leichte Industriebereiche.
Was ist ein Arbeitsschuh?
Der Begriff Arbeitsschuh ist weniger eindeutig. Im Alltag wird er oft als Oberbegriff für Schuhe verwendet, die bei der Arbeit getragen werden. Ein Arbeitsschuh kann also ein Sicherheitsschuh, ein Berufsschuh oder auch ein robuster, nicht genormter Schuh sein.
Wichtig ist deshalb: Nicht jeder Arbeitsschuh ist automatisch ein Sicherheitsschuh. Wer Arbeitsschuhe für sicherheitsrelevante Tätigkeiten benötigt, sollte immer auf die Norm und Schutzklasse achten. Begriffe wie „robust“, „rutschfest“ oder „für die Arbeit geeignet“ ersetzen keine geprüfte Normkennzeichnung.
Vergleich auf einen Blick
```Sicherheitsschuh
Norm: DIN EN ISO 20345
Kennzeichnung: S, zum Beispiel SB, S1, S2, S3, S6 oder S7
Zehenschutz: Ja, mit geprüfter Zehenschutzkappe
Einsatz: Bau, Industrie, Lager, Werkstatt und Produktion
Berufsschuh
Norm: DIN EN ISO 20347
Kennzeichnung: O, zum Beispiel OB, O1, O2 oder O3
Zehenschutz: Nein, nicht vorgeschrieben
Einsatz: Gastronomie, Pflege, Medizin, Service und Reinigung
Arbeitsschuh
Norm: nicht zwingend genormt
Kennzeichnung: je nach Modell unterschiedlich
Zehenschutz: nur bei entsprechender Norm
Einsatz: allgemeiner Begriff für Schuhe im Arbeitsalltag
Neue Normen für Sicherheitsschuhe: Was hat sich geändert?
Die Normen für Sicherheits- und Berufsschuhe wurden überarbeitet. Für Sicherheitsschuhe ist heute insbesondere DIN EN ISO 20345 relevant, in der aktuellen deutschen Fassung als Umsetzung von EN ISO 20345:2022 mit Änderung A1:2024. Berufsschuhe werden nach DIN EN ISO 20347 gekennzeichnet.
Durch die neuen Normen wurden Kennzeichnungen erweitert und präzisiert. Ziel ist, dass Anwender besser erkennen können, welche Schutzfunktionen ein Schuh tatsächlich bietet. Besonders wichtig sind die neuen Kategorien für Wasserdichtheit, Durchtrittschutz und Zusatzanforderungen.
Neue Schutzklassen S6 und S7
Neben den bekannten Klassen SB, S1, S2, S3, S4 und S5 gibt es nun auch S6 und S7.
- S6: entspricht im Wesentlichen S2 mit zusätzlicher Wasserdichtheit des gesamten Schuhs.
- S7: basiert auf S3 und ergänzt ebenfalls die Wasserdichtheit des Schuhs im zusammengebauten Zustand.
Das ist ein wichtiger Unterschied, denn wasserabweisendes Obermaterial ist nicht automatisch dasselbe wie ein wasserdichter Schuh. Ein Schuh kann am Obermaterial wasserabweisend sein, aber an Nähten, Lasche oder Übergängen dennoch Feuchtigkeit durchlassen.
Durchtrittschutz: P, PL und PS
Auch beim Durchtrittschutz wird heute genauer unterschieden. Nach der neuen Kennzeichnung gibt es differenziertere Angaben:
- P: metallischer Durchtrittschutz, geprüft mit 4,5-mm-Prüfnagel
- PL: nichtmetallischer Durchtrittschutz, geprüft mit 4,5-mm-Prüfnagel
- PS: nichtmetallischer Durchtrittschutz, geprüft mit 3,0-mm-Prüfnagel
Da ein kleinerer Nageldurchmesser punktuell stärker belastet, ist die PS-Kennzeichnung besonders relevant, wenn sehr spitze Gegenstände wie dünne Nägel, Drahtstücke oder scharfkantige Metallteile ein Risiko darstellen.
WPA, WR und FO: wichtige Zusatzkennzeichen
Auch einige Kurzzeichen wurden geändert oder stärker differenziert:
- WPA: Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme des Schuhoberteils
- WR: Wasserdichtheit des gesamten Schuhs
- FO: Beständigkeit der Laufsohle gegen Kraftstoff und Öl
- SR: zusätzliche Rutschhemmung
- HRO: Verhalten der Laufsohle gegenüber Kontaktwärme
- CI: Kälteisolierung
- HI: Wärmeisolierung
- LG: Halt auf Leitern
- SC: Abriebfestigkeit der Überkappe
Welche Schutzklasse ist die richtige?
Die passende Schutzklasse hängt immer vom konkreten Einsatzbereich und von der Gefährdungsbeurteilung ab. Für trockene Innenbereiche kann ein S1-Schuh ausreichen. Wenn zusätzlich spitze Gegenstände am Boden vorkommen, sind je nach Risiko S1P, S1PL, S1PS, S3, S3L oder S3S relevant.
In feuchten Außenbereichen werden häufig S2- oder S3-Sicherheitsschuhe eingesetzt. Wenn der gesamte Schuh wasserdicht sein muss, können die neueren Klassen S6 oder S7 sinnvoll sein. In besonders nassen, schlammigen oder anspruchsvollen Bereichen kommen je nach Tätigkeit auch S5-, S7L- oder S7S-Modelle infrage.
Für Tätigkeiten ohne Zehengefährdung können Berufsschuhe nach EN ISO 20347 die passende Wahl sein. Sie sind häufig leichter und flexibler als Sicherheitsschuhe, bieten aber keinen geprüften Zehenschutz nach EN ISO 20345.
Checkliste für den Kauf
Beim Kauf von Arbeits- und Sicherheitsschuhen sollten neben der Norm auch Passform, Tragekomfort und Einsatzdauer berücksichtigt werden. Gerade bei langen Arbeitstagen lohnt es sich, auf Dämpfung, atmungsaktive Materialien, geringes Gewicht und eine gut passende Weite zu achten.
- Welche Gefahren bestehen am Arbeitsplatz?
- Ist eine Zehenschutzkappe erforderlich?
- Wird Durchtrittschutz benötigt?
- Ist der Schuh für trockene, feuchte oder nasse Umgebungen gedacht?
- Besteht Kontakt mit Öl, Kraftstoff, Hitze oder Kälte?
- Wie wichtig sind Dämpfung, Gewicht und Atmungsaktivität?
- Welche Schutzklasse ist vorgeschrieben oder empfohlen?
Fazit: Die Kennzeichnung entscheidet
Sicherheitsschuhe, Berufsschuhe und Arbeitsschuhe unterscheiden sich nicht nur im Namen. Sicherheitsschuhe nach EN ISO 20345 besitzen eine geprüfte Zehenschutzkappe und schützen vor mechanischen Risiken. Berufsschuhe nach EN ISO 20347 bieten berufsspezifische Eigenschaften, jedoch ohne vorgeschriebenen Zehenschutz. Arbeitsschuhe sind dagegen ein allgemeiner Begriff und sollten immer anhand ihrer Normkennzeichnung geprüft werden.
Die neuen Normen machen die Auswahl genauer, erfordern aber auch mehr Aufmerksamkeit. Wer Kürzel wie S3S, S7L, WPA, WR, FO oder SR versteht, kann Schuhe gezielter auswählen – passend zu Branche, Boden, Wetter und Risiko.
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